Leseprobe: Herrenabende auf Ratenzahlung

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Das Eintreiben von Forderungen mittels Baukastenmahnbriefen sichert Dr. Konrad F. Winkelmann und seiner Anwaltskanzlei in Hofgeismar ein üppiges Einkommen. Seine fleißigen Partner motiviert er mit regelmäßigen Herrenabenden in einschlägigen Kasseler Etablissements zu Loyalität und guten Leistungen. Alles läuft gut, bis eine Prostituierte auf Winkelmanns Gartenparty auftaucht und später ein Graffiti ‚Kampf den Parasiten‘ skandiert. Dann erschüttert eine Explosion die Kanzlei und verletzt eine Mitarbeiterin. Kriminaloberkommissar Ernst Keller und seine Assistentin Herta Engel erhalten den Auftrag, Winkelmann zu beschützen und den Täter zu fassen. Es gelingt ihnen jedoch nicht, eine Entführung Winkelmanns zu verhindern. Die Situation wird noch aussichtsloser, als sich ein Freund Kellers durch Recherchen auf eigene Faust in große Gefahr bringt.

Leseprobe

Das Gartenfest

Amelie Winkelmann, geborene von Lichtenau, staunte nicht schlecht, als die Frau wie selbstverständlich die Terrasse ihres Hauses betrat. Die Körpergröße dieser Person hing nicht unerheblich von ihrem Schuhwerk ab, es waren modische High Heels mit zehn Zentimetern Hackenhöhe. Frau Winkelmann musterte die Frau von unten nach oben. Die Netzstrümpfe maßen ebenfalls eine nicht unwesentliche Länge, bis sie endlich den kurzen schwarzen Rock erreichten. Dieser war aus Leder, hauteng und nicht viel länger als die Unterwäsche, die Frau Winkelmann üblicherweise trug.

Mit jedem Schritt, den sich die Fremde auf die Partygesellschaft zubewegte, tanzten ihre Hüften im Takt hin und her. Es dauerte nur Sekunden, bis sie die ersten Blicke auf sich zog. Vor allem die jungen Anwälte ließen das Miststück nun nicht mehr aus den Augen. Die Advokaten – aus eigener Überzeugung Geschenke Gottes für die Frauen dieser Welt – hatten ihren Blick aber schon längst weiter nach oben gerichtet. Dorthin, wo das Dekolletee der Frau das Dunkle in den Augen der Männer quasi magisch anzog wie ein schwarzes Loch alles in seinem Umfeld. Ihr Blick wurde für das natürlich schöne Gesicht und die gelockten, schulterlangen blonden Haare getrübt, die den Gesamteindruck einer wunderschönen Frau abrundeten. Sie war nur dezent geschminkt. Üppigen Farbauftrag oder gar Botox hatte sie nicht nötig.

Amelie Winkelmann spürte, wie das Adrenalin in ihrem Körper seine Wirkung entfaltete. Die Konfrontation war unausweichlich, schließlich war es hier ihr Revier. Als der Abstand zwischen den beiden Kampfhennen gerade einmal noch fünf Meter betrug, sprach Thomas, dieser junge Schnösel, die Fremde von der Seite an. Frau Winkelmann war trotz aller Wut über das Eindringen des fremden Weibchens gespannt, was nun geschehen würde.

»Verpiss dich, Kleiner. Heute bin ich nur für deinen Chef da.«

Bedröppelt verließ der verhinderte Don Juan die Szene, nicht ohne das fiese Lächeln seiner Kollegen wie ein Messer im Rücken zu spüren.

»Sach mal, Tante, wo finde ich denn hier den Konrad?«

Die beiden Alpha-Weibchen standen sich nun filmreif Auge in Auge gegenüber.

»Wer sind Sie und was wollen Sie von meinem Mann? Das ist eine private Geburtstagsfeier und es würde mich wundern, wenn Konrad Sie eingeladen hätte.«

»Ach lass ma, da vorne steht er ja. Pass ma lieber auf, dass dir keener den Lachs vom Buffet klaut.«

Die fremde Frau ließ Amelie einfach stehen und ging weiter über den Golfrasen hin zum Swimmingpool, dort, wo Dr. jur. Konrad F. Winkelmann, Hausherr und Mittelpunkt der Feier zu seinem eigenen, dem sechzigsten Geburtstag stand.

Kriminaloberkommissar Ernst Keller, der das ganze Geschehen von Beginn an mit großem Interesse beobachtet hatte, war gespannt, wie es nun weitergehen würde.

Die Frau trat von hinten an Winkelmann heran und hakte sich ein. Einfach so und als wären die beiden entweder gute alte Bekannte oder sie auf Ibiza auf der Suche nach einem wohlhabenden Sugardaddy. Der Gastgeber schien überrascht, jedoch auch etwas geschmeichelt von derart hübscher Gesellschaft. Doch als die Frau ihn ansprach, änderte sich das schlagartig.

»Komm Konni, die Mutti hat noch ein ganz spezielles Geburtstagsgeschenk für dich.«

In diesem Moment kam seine Ehefrau hinzu und riss die beiden auseinander. »Machen Sie auf der Stelle, dass Sie hier wegkommen, sonst rufe ich die Polizei.«

»Hey, lassen Sie mich los. Gunther hat ja schon gesagt, dass das hier anstrengend wird, aber heute lasse ich mich bestimmt nicht auf einen Dreier mit so einer alten Schachtel ein. Du kannst zuschauen, aber das kostet dich zweihundert extra.«

Kellers Lebensgefährtin wurde es langsam zu bunt.

»Ernst, tu doch was, schließlich bist du Polizist.«

Doch Keller blieb seelenruhig stehen. Warum sollte er sich hier auch einmischen? Angelika hatte ihn nur mit einer Mischung aus Drohungen und Lockungen auf diese Party gebracht, Winkelmann war einer ihrer Geschäftspartner und hatte sie eingeladen. Keller stand nicht der Sinn nach ›schnöseligen Anwälten‹ und er hatte erst nach längeren Diskussionen klein beigegeben. Nun wollte er einfach seinen Spaß haben und sich vielleicht ein wenig betrinken.

Amelie Winkelmann zerrte immer noch an der Frau herum, bis, ja bis ein gellender Pfiff sie dazu bewegte, die fremde Frau loszulassen.

Inzwischen standen Herr und Frau Winkelmann mit dem ungebetenen Gast am Rande des Swimmingpools, umringt von rund vierzig Schaulustigen, ihren Gästen.

Es dauerte nur Sekunden und ein kräftig gebauter Mann, Anfang vierzig und mit einem atemraubend hässlichen Gesicht und einer Glatze durchbrach den Ring der Gaffer. Schnell verschaffte er sich Zugang zum Mittelkreis.

»Komm Vicky, wir gehen.«

»Schade, jetzt wo es gerade lustig wird.«

Der Mann zog Vicky am Arm. Sie folgte ihm widerwillig.

Vicky knuffte ›Konni‹ noch mal in die Wange, woraufhin Frau Winkelmann sich das Kuchenmesser schnappte. Sie schien entschlossen, damit auf Vicky loszugehen. Nun endlich hatte Ernst Keller sich durchgerungen, einzugreifen. Schnell wand er ihr das Messer aus der Hand.

»Machen Sie sich nicht unglücklich.«

»Tschüss Leutchen«, rief Vicky. Sogleich setzte sie hinzu: »Auch wenn`s nicht geklappt hat, Konni, ich kriech noch dreihundert von dir. Künftig stehe ich dir für solche Spielchen nicht mehr zur Verfügung.« Und mit Blick auf Frau Winkelmann: »Hab nämlich keine Lust, von so`ner Furie abgestochen zu werden.«

Als die beiden Eindringlinge das Grundstück durch das Gartentor verlassen hatten, raunte Angelika ihrem Ernst etwas zu – und das war nicht nett:

»Feigling!«

Auftritt Winkelmann

»Was, das glaub ich nicht. Und wie ging es dann weiter?«

Herta Engel war immer noch fassungslos. Sie konnte kaum glauben, was ihr Chef ihr gerade über die Erlebnisse vom Vortag erzählt hatte.

»Gar nicht«, antwortete Keller. »Zumindest nicht auf dem Fest. Die Gesellschaft verabschiedete sich schnell, das Spanferkel ist wahrscheinlich dem Regenschauer eine halbe Stunde später zum Opfer gefallen.«

»Aber für Sie war es noch nicht vorbei?«

»In der Tat, für mich begann die längste Autofahrt meines Lebens. Von Hofgeismar nach Kassel sind es zwar keine dreißig Kilometer, doch diese fünfunddreißig Minuten werde ich mein Lebtag nicht vergessen.«

»Armer Chef. Soll ich mich vielleicht auf die Suche nach Vicky machen? Die könnte Sie vielleicht wieder aufmuntern.«

»Scheren Sie sich aus meinem Büro!«

Sie war gerade durch die Tür getreten, da drehte sie sich noch einmal um.

»Ach Chef, ich habe während Ihrer spannenden Schilderung ganz vergessen, dass sich ihr Gastgeber von gestern für zehn Uhr angekündigt hat. Er möchte dringend etwas mit Ihnen besprechen.«

»Was will der denn von mir?«

»Keine Ahnung. Er ist ein Freund des Polizeipräsidenten. Der hat ihn zu uns geschickt.«

Keller schaute auf die Uhr, es war bereits drei Minuten nach zehn.

»Dann holen Sie ihn mal rein und setzen Sie sich am besten auch gleich dazu.«

Mit einem: »Sie wissen auch nicht, was Sie wollen«, ließ sie ihn zurück.

Keller war verunsichert. Er fragte sich, was Winkelmann wohl von ihm wollte.

Kurze Zeit später stürmte ›Konni‹ in Kellers Büro und setzte sich unaufgefordert hin.

»Nehmen Sie doch Platz«, fuhr es Keller heraus, woraufhin sich Engelchen ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Doch bereits im nächsten Moment sollte ihr die gute Laune vergehen.

»Keller, wir müssen sprechen. Kann Ihre Tippse nicht mal einen Kaffee für uns holen gehen, die Sache ist sehr heikel.«

Keller wusste, dass Engelchen sich in diesem Moment gerade überlegte, welcher ihrer fiesen Würgegriffe in diesem Fall am besten anzuwenden sei. Er wusste jedoch auch, dass er sich schützend vor seine Kollegin stellen musste.

»Kriminaloberkommissarin Engel wird diesem Gespräch bewohnen. Sollten Ermittlungen aufgenommen werden, wird sie mir sowieso zur Seite stehen. Was kann ich also für Sie tun?«

»Ich bin Rechtsanwalt Konrad F. Winkelmann, Gründer und Inhaber der größten Rechtsanwaltskanzlei in Hofgeismar. Jemand will uns mit einer gezielten Kampagne in den Schmutz ziehen. Ich brauche Polizeischutz und jemanden, der dieses Schwein findet, das uns fertigmachen will.«

Noch bevor Keller irgendetwas sagen konnte, fuhr er fort: »Sagen Sie mal, kennen wir uns nicht? Sie sehen so aus wie der Typ, der uns letzte Woche den Rohrbruch im Klo repariert hat.«

»Nein, tut mir leid …«

Und wieder unterbrach Winkelmann den Kommissar. Engelchen wunderte sich über gar nichts mehr.

»Kreuzwürgegriff«, dachte sie.

»Jetzt hab ich’s: Sie sind der Polizist, der uns gestern nicht vor dieser Furie beschützt hat. Sie waren mit Angela da, dieser scharfen Brünetten mit den Sexy-Locken.«

»Meine Lebensgefährtin heißt Angelika.«

Winkelmann war das ziemlich egal.

»Horst, ihr Chef, hat gesagt, ich wäre bei Ihnen gut aufgehoben. Vielleicht sollte ich lieber zu einem Kollegen von Ihnen gehen?«

»Da muss ich Sie enttäuschen, es ist Ferienzeit und viele meiner Kolleginnen und Kollegen sind im Urlaub.«

»Gut. Vielleicht gebe ich Ihnen einfach noch mal eine Chance. Wer so eine hübsche Kollegin hat, der kann so schlecht nicht sein.«

Keller überhörte die Beleidigung.

»Was ist ihr Problem?«

»Wir sind eine einflussreiche Rechtsanwaltskanzlei mit zwölf verpartnerten Anwälten. Wir arbeiten auf verschiedenen Fachgebieten, unser Schwerpunkt ist jedoch die Forderungsbeitreibung, für Sie als Laien einfach ausgedrückt, der Einzug von Forderungen gegenüber Firmen und Privatpersonen.«

»Sie sind also die Guten?«

»Ihren Sarkasmus können Sie sich sparen. Ich gebe Ihnen Recht, wir helfen beispielsweise armen Handwerkern, ihren gerechten Lohn zu bekommen.«

»Und jetzt geht jemandem Ihre fürsorgliche Tätigkeit für andere Menschen gegen den Strich?«

»Ja, in den vergangenen Tagen sind seltsame Dinge passiert: Zuerst hat letzten Mittwoch jemand alle vier Reifen des Wagens einer meiner Rechtsanwaltsgehilfinnen zerstochen. Dann gestern der Auftritt dieser Bordsteinschwalbe auf meinem Fest. Und heute Morgen wurde ich schon um sieben Uhr angerufen, weil so ein Schmierfink ein Graffiti bei uns an die Hauswand gesprüht hat.«

»Was für ein Graffiti?«

In diesem Moment kramte Winkelmann in seiner Jacketttasche und holte sein Smartphone hervor. Er drückte ein paar Knöpfe, dann zeigte er Keller das Bild. ›Kampf den Parasiten‹ stach in großen blauen Lettern von der strahlend weißen Wand ab.

»Das ist nun wirklich sehr deutlich.«

»Das will ich aber auch meinen«, schnitt er Kellers Entgegnung aggressiv ab. »Ich möchte nun von Ihnen Personenschutz und ein fähiges Team, das den Täter seiner gerechten Strafe zuführt«, untermauerte er seine Forderung lehrmeisterhaft. Ihre Kollegin könnte beispielsweise heute Nacht die Schicht übernehmen.«

Wieder hoffte Keller, dass Engelchen sich beherrschen konnte. Und in der Tat, seine zwischenzeitlich von ihm beförderte Assistentin sagte keinen Ton.

»Das überlassen Sie mal uns. Wie ich sehe, sind Sie derzeit nicht in einer konkreten Gefahrensituation. Sollte sich der Verdacht auf einen persönlichen Angriff verhärten, werden wir Personenschutz in Erwägung ziehen. Ihre Ansprechpartner sind Frau Engel und ich, das sollte derzeit genügen. Eigentlich liegt Ihr Problem außerhalb unseres Zuständigkeitsbereichs, doch werden Sie sicher nicht locker lassen, bevor Sie bekommen, was Sie wollen.«

»Eine Frechheit, ich werde mich über Sie beschweren. Ich kann nicht verstehen, dass Angela mit so jemanden wie Ihnen liiert ist.«

»Auf Wiedersehen, Herr Winkelmann.«

Keller und Engelchen konnten sich nur einen Moment über die Unverfrorenheit ihres Besuchers wundern, da klingelte auch schon das Telefon.

»Das ist bestimmt Richard Löwenherz. Er will sich bei Ihnen beschweren, dass Sie die edlen Motive von Robin Hood in Frage gestellt haben.«

Keller lächelte nur kurz. So etwas Ähnliches hatte er auch gedacht. Er ahnte voraus, dass er gleich mit dem Polizeipräsidenten würde sprechen müssen.

 

Hier muss die Leseprobe leider enden. Wenn Sie mehr über Kommissar Keller und Engelchen erfahren möchten, so lesen Sie doch gerne weiter. Alle vier Fälle sind einzeln als eBook (epub, mobi) sowie als Sammelband (Taschenbuch, eBook) bei allen üblichen Anbietern erhältlich. Weitere Hinweise hierzu erhalten Sie in der Bibliographie.

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